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... alles über Salsa in Berlin!
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CD-Besprechung
Da gibt es jene, die - auch im Internet - immer wieder kund tun, die Salsa wäre zum Untergang verurteilt. Abel Delgado von Descarga.Com proklamiert gar The Death of Salsa! ( Der Tod der Salsa - ein sehr interessanter Artikel mit sorgfältig recherchierten Backgroundinformationen! ). Nur noch Schmalz mit den ewig gleichen Texten, die man auf 'Besame', 'Abrazame', 'Provocame' und 'Buscame' reduzieren kann - 'Salsa Plastica', wie Chuck Hermann in der letzten Ausgabe von 'Bamboleo' beklagte. Es gäbe keine Innovationen mehr in der Salsa-Musik - die Kommerzialisierung ist an allem schuld!
Wayne Gorbea (auf dem Bild zweiter von rechts vorne ) - ist da eher wieder ein Name, der unter Kennern spätestens seit seiner letzten CD 'Cogele el gusto' (1998) höchste Reputation geniesst, dem breitem Massenpublikum aber nicht so bekannt sein dürfte. Geboren und aufgewachsen ist er in dem New Yorker Stadtteil Bronx. Seine Liebe zum Piano entdeckte er früh - Vorbilder für ihn waren und sind die Legenden Charlie und Eddie Palmieri sowie Ricardo Ray. Mit seinem Orchester Salsa Picante hat er mittlerweile 7 CD's bei unabhängigen Plattenfirmen produziert, seine letzte bei dem Jazz- und Worldmusic-Label Shanachie . Doch seine wahre Leidenschaft ist nicht das Produzieren von CD's sondern das Spielen mit seiner Band, die aus lauter erfahrenen Musikern besteht, in den Clubs der Bronx und in Brooklyn. Dort hat er sich einen legendären Ruf erarbeitet, obwohl seine CD's in den New Yorker "Mainstream" - Salsa Radio Stationen nicht zu hören sind. Noch vor einiger Zeit wurden er und seine Band als "das bestgehüteste Geheimnis der Bronx" bezeichnet. Über das Spielen in den Clubs sagt er selbst: "When I play a club, it's not like putting on a show in a theater. We want to relax, enjoy ourselves and become one with the dancers." - ("Wenn ich in einem Club spiele, ist das nicht wie eine Show in einem Theater. Wir wollen relaxen, unseren Spass haben und eins werden mit den Tänzern."). Eine schöne Einstellung, finde ich. Und sie erklärt auch den Titel seiner neuen CD Saboreando...Salsa Dura en el Bronx Nun aber zur Musik. Dank ausgefeilter Aufnahmetechniken (ein Vorteil der Kommerzialisierung, oder?) hören wir einen glasklaren Sound, die einzelnen Instrumente sind sehr gut zu unterscheiden ( also kein Soundbrei ). Wenn Abel Delgado in dem oben erwähnten Artikel The Death of Salsa! von den modernen Salsa-Arrangements beklagt: It's what the dancers move to with no concept of clave in the clubs. ( Das ist das wonach die Tänzer in den Clubs ohne Konzept der Clave tanzen. ), dann ist Wayne Gorbea's Musik - obwohl modern arrangiert - gut geeignet, uns die Clave wieder nahe zu bringen. (Deutlich bei mehreren Titeln rauszuhören.) Die Posaunen, gespielt von Christian Kollar und dem musikalischen Direktor Rick Davies stehen meist im Vordergrund und treiben die Band. Aber auch die Rhythmus-Abteilung mit Ruben Borgas an den Timbales ("The band's driving force"), Juan Rodriguez an den Bongos und Frank Reyes ("The heartbeat of the band") an den Congas sorgen für reichlich Dynamik. Zu erwähnen wäre auch noch die sehr ausdrucksstarke, einprägsame Stimme des Soneros Frank Otero, die haargenau auf den Sound der Band passt. Einen einzelnen Titel hervorzuheben, ist schwer. Vielleicht Titel 10 'Estamos Chao'. Fast 10 Minuten ist er lang, aber keine einzige Sekunde davon auch nur der Ansatz von Langeweile auf der Tanzfläche. Höhepunkt dieses Stücks ( und für mich auch der Höhepunkt der ganzen CD ) ist das leicht 'angejazzte' Klaviersolo von Wayne in der Mitte des Stückes. Es beginnt eher verhalten, steigert sich dann aber im Zusammenspiel mit der oben erwähnten Percussion Abteilung zu einer ungeahnten Intensität. Wenn am Ende des Solos die Posaunen wieder einsetzen, dürfte auch der letzte Fuss mitzucken. Das ist 'Salsa de verdá' ! Aber wie schon erwähnt, dies ist nur ein Highlight. Der Abtanz-Hit ist sicherlich der von der Plattenfirma empfohlene Titel Nr. 1 'El Yo-yo'. Piano Riff's begleitet mit ausgefeilten Bläsersätzen und Satzgesang treiben hier den Tänzer förmlich an. 'Callé Loca' - ein reines Instrumentalstück zeigt, wie nahe die Salsa und der Latin Jazz verwandt sind. Herrlich das schräge Alt-Saxophon von Gastmusiker Sam Furnace, welches auch in 'Estamos Chao' zu hören ist. Die ganze CD stellt sich insgesamt sehr homogen dar. Das Wayne Gorbea und seine Band ihr musikalisches Zuhause in den Dance-Clubs der Bronx haben, macht sich auch auf der Studio-CD positiv bemerkbar. Nach eigener Aussage ist für Wayne Gorbea Raum für Improvisationen wichtig. Das schlägt sich auch in den zahlreichen Solis Wayne's und seiner Bandmitglieder nieder. Höchster Höhrgenuss und sehr gut tanzbar!
Fazit: Diese CD ist sicherlich nicht das Wahre für Fans des seichten Salsa-Sounds á la Marc Anthony & Co. :-) Hier geht's zur Sache! Ohne Schmalz. Wayne Gorbea und Salsa Picante beweisen, dass es nicht falsch sein kann, Traditionen weiterzupflegen und zu entwickeln. Allen Unkenrufen zum Trotz: La Salsa viva! Nachtrag 10.11.2000: Das ich nicht ganz alleine dastehe mit meiner Meinung zu dieser CD bestätigt u.a. Rob Lücking auf der renommierten Salsa-Cd-Besprechungsseite http://www.salsaholic.de . Die CD-Besprechung findet ihr, wenn Ihr Hier klickt!. Und noch interessanter: Rob's Antwort auf den oben erwähnten Artikel The Death of Salsa! findet Ihr, wenn Ihr Hier klickt! Vorhören und als MP3 downloaden: Und hier die Titel und Komponisten
Du möchtest diese Seite verlinken? Kein Problem - hier ist der Original-Link: <a href='http://www.salsa-berlin.de/salsa-cd/2000/gorbea' target='_blank'> Wayne Gorbea - Saboreando...Salsa Dura en el Bronx </a>
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