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Havanna - hier wird Salsa getanzt!


CD-Besprechung

»Marc Anthony

El Cantante

Juli 2007 - Sony Norte

CD-Review von

4 Punkte: Ein Muss!!
CD-Cover: El Cantante

 

 

CD-Cover: El Cantante

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Ich fange mal von vorne an. Für diejenigen unter Euch, die in der Geschichte der Salsa ( noch ) nicht so bewandert sind. El Cantate ( de los Cantantes ) war der Beiname von Hector Lavoe. Wie kein andere Sänger zuvor und nach ihm verkörperte El Cantante die Idee der Salsa. Wer ihn und sein Leben nicht kennt, dem rate ich dringenst die Lektüre seines sehr bewegten Lebenslaufes an. Im Internet kursieren viele Versionen - eine der seriösesten findet sich unter dem Titel The Triumph and Tragedy of Hector Lavoe .Triumpf und Tragödie: Ruhm auf der einen Seite und Schicksalsschläge wie der Unfalltod seines Sohnes, die Ermordung seiner Schwiegermutter, der Brand seines Hauses ( er konnte sich nur retten, indem er aus dem Fenster sprang und sich beide Beine brach ) und vor allem Dingen seine Drogensucht, die er nie bezwingen konnte führten zu Depressionen, einem Selbstmordversuch und zu einem sehr frühen Tod durch AIDS ( auch das noch ) im Jahr 1993. Ein Leben, wie aus einem schlechtem Filmdrehbuch. Wenn man das liest, sagt man sich immer wieder: Das gibt es doch gar nicht!

Was es gibt, ist nun dieser Film: El Cantante ( Webseite -->hier , Trailer -->hier - Filmstart in den USA 03. August - in Deutschland noch nicht bekannt). Hochglanz, Hollywood, Jennifer Lopez und Marc Anthony. Das kann doch nichts werden! Sagen jetzt schon viele ... ohne den Film gesehen zu haben :-) Wie kann ein Hollywood-Movie dem Leben dieses Genies gerecht werden? Die Frage ist für mich: Muss ein (Spiel-) Film diesen Ansprüchen genügen? Nein, denn dann hätte man einen Dokumentarfilm drehen sollen. Das Gute an diesem Film, an diesem ganzen Hochglanz-Pipapo ist für mich, das er Menschen erreicht, die sich vielleicht nie für Salsa interessiert hätten. Die vielleicht wegen Jennifer Lopez ins Kino gehen :-) und mit einem Interesse für die Salsa wieder rauskommen. Denn die Musik dieses Films - und das finde ich sehr mutig - ist nicht die Originalmusik von Hector Lavoe. Alle Stücke im Film wurden neu aufgenommen und von Marc Anthony gesungen, der auch im Film Hector Lavoe darstellt. Und da setzt das grosse Lamento ein: Wie kann ein Salsa-Romantica-Sänger Hector Lavoe gerecht werden. Als ob der Teufel persönlich in der Kirche predigen will. Ihm (Marc Anthony) fehle es an "Strasse" ( oder neudeutsch street credibility ) , um so etwas zu singen - so der einhellige Vorwurf. Ja, was wollt Ihr denn? Frage ich ... eine 100 % Kopie vom Original? Langweilig! Und mal ehrlich: Welcher DJ hat im letzten Jahr irgendwo die Originalversion von El Cantante oder Mi Gente aufgelegt? Also, ich komme ja viel rum und höre mir auch viele Kollegen an. Habe ich irgendwo einen dieser beiden Songs gehört? Ich weiss es nicht .... kann mich nicht erinnern ...

Und ich weiss auch nicht, ob Marc Anthony im Film der Rolle gerecht wird. Auf dem Soundtrack zum Film, um den es hier geht, macht er es meiner Meinung nach nicht schlecht. Mein Gott, es ist Marc Anthony. Er macht es eben auf seine Art und Weise ... vielleicht mit einem Seufzer irgendwo zuviel .... aber er bleibt immer er, der er ist. Es ist keine Kopie aber es ist auch kein Reinfall ... Der Soundtrack ist meiner Meinung nach eine Bereicherung. Zumal mit dem Orchester und den Arrangements!

Viele wussten vielleicht nicht, dass Marc Anthony seine Salsa-Karriere Ende der 80er bei Eddie Palmieri begann (davor hat er Pop gesungen). In dem Titel Parece Mentira ( auch bekannt durch Roberto Roena ) deutete sich damals schon an, was für ein begnadeter Sänger Marc Anthony ist. Seine Version von Parece Mentira ist Salsa Dura vom Feinsten. Auch wenn er dann (sehr erfolgreich) in eher seichte Salsa-Gewässer ab- oder aufgeglitten ist (je nach Sichtweise). Eines muss wohl jeder anerkennen: Stimme hat er! Und dass er sich mit guten Musikern umgibt, ist auch kein Geheimnis. So war z.B. Jimmy Bosch jahrelang sein musikalischer Direktor. Und ich denke, Jimmy Bosch ( aktuell Spanish Harlem Orchester ) hat es damals in den 90ern nicht getan, weil er jung war und Geld brauchte :-)) ... als er jung war, posaunte er bei Ray Barretto.

Was mich beim vorliegenden Soundtrack (vorher) eher bedenklich stimmte, war der Arrangeur Sergio George, der auch das Piano spielt. Der ist eigentlich in letzter Zeit eher mit poppigen, überladenen Arrangements aufgefallen. Zum Glück hat er sich dieses Mal etwas zurückgenommen und wirklichen Respekt vor dem Originalmaterial bewiesen. Der Kritiker: Aber die etwas schmalzigen Violinen z.B. in dem Titelsong El Cantante? Die Antwort: Die waren auch schon so im Original drin - also bitte! Erst mal die Originale hören! Nein, die Arrangements sind OK, sehr raffiniert und voll auf der Höhe der Zeit ohne eben überladen zu wirken. Diese CD wurde nicht in irgendeinem Hinterhof mit dumpfen Sound ( wie etwa die 2. vom SHO oder die von Pablo "Chino" Nunez ) eingespielt, sondern sie ist brillant abgemischt! Die Begleit-Band macht einen ausgesprochen sehr sehr guten Job. Kunststück - sind doch einige der ehemaligen Mitstreiter von Hector Lavoe mit von der Partie wie z.B.: Jose Mangual Jr., Milton Cardona oder Yomo Toro. Auch Tito Allen hört man. Damals noch nicht dabei, aber für mich immer ein Garant für guten Rhythmus: der sympatische Venezeolaner Luis Quintero an den Timbales lässt es auch hier wieder an den richtigen Stellen krachen - z.B. in Aguanile.

Die Stücke auf der CD sind gut und mit Bedacht aus dem reichen musikalischen Schaffen herausgepickt - erwartungsgemäss überwiegen die grossen Hits, die Hector Lavoe zusammen mit seinem langjährigen Freund Willie Colon aufgenommen hatte. Meine Favoriten auf der CD sind die Titel, in denen es so richtig ab geht: El Cantante - sicherlich aber auch Mi Gente oder Aguanile. Gute Bongos in Todo Tiene Su Final - aber dann doch sehr viel anders im Gesang. Blass hingegen die Posaune ( so leicht kann man Willie Colon nicht ersetzen ) und auch der stimmliche Einsatz bei El Dia De Suerte oder Che Che Colé. Da fehlt mir dann doch ein wenig die Aggresivität der Originale. Richtig glänzen kann Marc Anthony dann nochmal in Qué Lio. Lamentieren kann er ja gut :-) Whow! Hier stimmt dann auch die fette Posaune. Das Stück ist schon vom Feinsten ... wenn auch nix für Tänzer ( der Neuzeit ).

Völlig unverständlich allerdings für mich: Der letzte Song ist eine Schnulz-Ballade von Jennifer Lopez und wirkt auf der CD wie ein Fremdkörper - Musste das sein?

Aber nochmal: Ich halte die ganze Sache ( Film und Soundtrack ) für eine gute. Kaum eine Produktion der letzten 10 Jahre hatte eine so enorme und mächtige Werbepower im Hintergrund. Klar, geht es um Kommerz. Aber ich sehe einen positiven Nebeneffekt. El Cantante wird - und da bin ich mir sicher - viele Menschen für Salsa begeistern, die anders nie einen Zugang gefunden hätten! Und El Cantante wird sicherlich so manchen Salseras und /-os, die sich heute auf den Dancefloors drehen und den Namen Hector Lavoe nicht kennen ( da soll es ja einige geben ) etwas Salsa-Geschichte nahebringen. Vielleicht hätte das sogar der richtige Cantante gutgeheissen ...

Fazit: Trotz vieler Vorschuss-Meckerei: Gut gemachte Lavoe-Remakes mit einem gereiften Marc Anthony.

Nachtrag November 2008: Dieses Album gewann den Grammy 2008 in der Kategorie: Best Salsa Album


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Und hier die Titel und Komponisten

No. Titel Komponist Zeit
1 El Cantante Ruben Blades 06:47
2 Mi Gente Johnny Pacheco 03:52
3 Escandalo Ruben Fuentes / Rafael Cardenas Crespo 03:58
4 Aguanile Willie Colon / Hector Lavoe 05:15
5 Che Che Colé Willie Colon 03:26
6 El Dia De Mi Suerte Willie Colon / Hector Lavoe 05:19
7 Que Lio Willie Colon / Hector Lavoe / Joe Cuba 04:24
8 Quitate Tu Johnny Pacheco / Bobby Valentin 04:23
9 Todo Tiene Su Final Willie Colon 04:55
10 Toma De Mi Julio Reyes Copello / Nelly Furtado 04:29

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