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Havanna - hier wird Salsa getanzt!


Interview mit Nils Fischer

Nils Fischer

Der in Bremen geborene und nun in Holland lebende Percussionist Nils Fischer überraschte Ende 2007 mit einem Album, das er seinem Vorbild - dem inzwischen verstorbenen Joe Cuba - widmete.

Und unter unserer Rubrik CD des Monats findet Ihr eine CD-Besprechung des neuen La Excelencia Albums

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Michael: Nils, Du wurdest in Bremen geboren - Deinem Lebenslauf kann man entnehmen, dass Du schon mit 18 zum Latin Jazz gekommen bist und mit 20 hast Du diese Musik schon in Cuba studiert. Kannst Du kurz erzählen wie Du als 'Nordlicht' in so jungen Jahren zur Latin-Musik gefunden hast.

Nils: In meiner Familie haben alle ein Instrument gespielt, und so habe ich als Teenager jede Menge Instrumente ausprobiert, Piano, Gitarre, Flöte, sogar Posaune...aber es hat irgendwie nicht richtig gezündet. Meine Schwester brachte eines Tages eine Schallplatte von Paquito D'Rivera [Conguero: Daniel Ponce] mit nach Hause. Da hörte ich zum ersten Mal, wie Congas "echt" klingen, und ich dachte: DAS will ich! Ich habe dann jeden Tag wie ein Verrückter versucht , mit der Platte mitzuspielen.

Mit den Congas konnte dann ich schon nach kurzer Zeit in einer Band einsteigen [warscheinlich war es grauenhaft schlecht...] - ich war jedenfalls begeistert. Das Zusammenspiel mit anderen Musikern war es, was mich gleich gepackt hat. Ich ging zu vielen Konzerten, wie zum Beispiel Tito Puente, Irakere, Kip Hanrahan, Ruben Blades und versuchte mir immer etwas abzugucken. Die Basics habe ich dann richtig gelernt von John Santos, der in den späten 80ern oft in Deutschland war. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken. Als ich dann mit der Schule fertig war, ging ich für zwei Monate nach Cuba, und das war so eine Art "Gehirnwäsche" für mich. Ich kam völlig begeistert zurück.

Wie bist Du letztendlich in Holland gelandet?

Von Freunden hörte ich, das es die Möglichkeit gibt, offiziell Latin Percussion zu studieren, und zwar in Rotterdam. Das habe ich dann einfach ausprobiert und ich bin dann nach fünf Jahren Studium einfach hier in Holland geblieben. Mittlerweile sind es 15 Jahre geworden! Hier hatte ich schon während des Studiums gut zu tun. Seit 1993 spiele ich mit "Nueva Manteca", seit 1995 mit "The Cubop City Bigband", seit 2001 mit "Drums United" . Mit diesen und anderen Gruppen habe ich das fantastische Glück, international zu touren, Cd's aufzunehmen und ab und zu mit berühmten Musikern aufzutreten. Wäre nicht schlau hier weg zu gehen...außerdem bin ich seit einigen Jahren selbst Dozent an der Musikhochschule von Rotterdam, Codarts.

Deine erste eigene CD hast Du dem Conguero Joe Cuba gewidmet. Wieso er? Was fasziniert Dich so an ihm?

Als die Cds in den 80ern aufkamen und die Platten ablösten, wurden im Plattenladen bei mir um die Ecke fast alle Lp's für DM 1,- verkauft, allen voran die Ladenhüter = Latinplatten. Ich kaufte gleich alle und kam mit ca. 100 Platten nach Hause.
Darunter waren viele Fania Sachen, Palmieri, Ray Barretto und eben auch Joe Cuba. Die fand ich Klasse, ich mochte diesen Vibraphon-Sound und die für mich damals etwas kitschigen Vocals, aber vor allem die knallharte Percussion mitten ins Gesicht, haha! Später ist mir dann aufgegangen was für ein unglaublicher Sänger Cheo Feliciano ist und das er sehr wichtig für den Erfolg der Band war. Ich versuchte auch herauszufinden wie die zahlreichen Breaks funktionieren.
Zurückblickend würde ich sagen, das die Musik vom Joe Cuba sehr, sehr frisch und energiegeladen ist. Es machte ihnen nicht soviel aus das sie keine Virtuosen waren, und kleine Fehler waren auch kein Problem, Hauptsache war immer, daß es swingt wie verrückt!!!

Wie würdest Du Deine Interpretation seiner Musik beschreiben - was war Dir wichtig, als Du die CD produziert hast?

Ich wollte nicht einen von diesen Tributes machen wo einfach das Original nachgespielt wird, nach dem Motto: "La música de ayer con el sonido de hoy!" Das finde ich so überflüssig, dann höre ich mir lieber die Originalplatten an...
Es macht natürlich schon sehr viel Spaß, nachzuspielen was man schon so oft gehört hat und so seine eigenen Helden nachzumachen! Kommerziell gesehen ist das auch interessant, weil der Latinmarkt sehr konservativ ist. Ralph Irizarry sagte hierzu: " It's allmost impossible to win against the ghosts from the past like the Lavoe's, Maelo's, Celia's etc....."
Aber ich selbst wollte bei allem Respekt vor dem Original so spielen wie es mir gefällt.
Salsa hat sich mit den Jahren vor allem in Cuba enorm weiterentwickelt. Verstehe mich nicht falsch, der Swing der cubanischen Musik wird glaube ich immer der gleiche bleiben, aber die Art wie man all die Instrumente spielt, ist heutzutage wirklich anders. Man hat jetzt [innerhalb des Konzepts] mehr musikalische Freiheit als in den 60ern. Mir gefällt "Old School" wie Willie Colón, Gran Combo oder Palmieri, aber auch moderne Musik von La Charanga Habanera, Issac Delgado oder Irakere. Ich fragte mich auch, wie das Repertoire mit Bläsern klingt, aber ich wollte nicht auf die Vibes verzichten, dann einfach beides. Mein Auftrag an die Arrangeure war also all dies zu berücksichtigen... Im Studio liess ich eigentlich alle Musiker so spielen wie sie wollten, ich finde die Spontänität und Kommunikation sehr wichtig in der Musik. Nur ab und zu lenkte ich ein, ich wollte unbedingt, daß der erste Pregón auf der Cd [bei Ariñañara] Joe Cuba gewidmet ist.

Wie kam es zu den 3 Medleys - Wäre es nicht besser gewesen die Stücke einzeln und dafür länger zu präsentieren ( wie Cachondea )?

Wie du weisst, sind die Originale von Joe Cuba eher kurz. Daher hatte ich die Idee, drei Medleys zu machen: Ein Chacha- , ein Son Montuno- und ein Guaracha Medley. Wenn meine Versionen länger und einzeln wären, hätte ich weniger Stücke bringen können...dachte ich. Später dann die Idee, die Stücke doch noch einzeln als Radio-Edits hinten dran zu hängen. Und tatsächlich werden die jetzt in den USA am meisten im Radio gespielt...die Kürze gefällt denen anscheinend.

War es schwer, ein Plattenlabel zu finden? In letzter Zeit berichten mir immer mehr Musiker von enormen Schwierigkeiten. Wie kam es dann doch zum Happy-End ( der CD-Produktion )?

Wenn du hier wärest, könntest du sehen wie ich in Tränen ausbreche...Die Labels haben alle Angst, zu investieren, wenn es nicht ein bekannter Künstler mit Erfolgsgarantie ist. Momentan verwirklichen die meisten Musiker ihre Projekte auf eigen Kosten, so auch ich. Ich hatte allerdings das große Glück, daß ich offizielle Unterstützung vom holländischem Staat bekam für den Trip nach Florida um mit Jon Fausty - das ist der legendäre Sound-techniker, der fast alle Platten aufgenommen hat, die ich damals in den 80ern gekauft hatte - zu mixen und zu mastern.
Später kann man dann probieren, das fertige Produkt anzubieten. Walboomers Latina in Amsterdam war gleich total begeistert von den Aufnahmen, wir haben einen akzeptablen Deal und sie haben mir gleich schonmal 4 Millionen Anzahlung geboten [Scherz, haha]...


Gibt es schon Plaene fuer eine nächste CD?

Ja, in der Tat, aber das ist noch geheim! Allerdings wird es keine Hommage [diesen Jugendtraum habe ich mir jetzt erfüllt], ich werde dann Neukompositionen aufnehmen. Es wird aber noch dauern, jetzt bin ich erstmal mit der Promotion der Cd und dem organisieren von Auftritten für TIMBAZO beschäftigt. Der Erste ist am 08.12.2007 in Rotterdam, Infos demnächst auf www.nilsfischer.com !!!

Nils, ich Danke Dir für dieses sehr interessante und aufschlussreiche Interview!

Michael, gern geschehen und vielen vielen Dank für dein Interesse. Es ist für mich eine große Ehre, dass du mich interviewst, es hat mir Spaß gemacht, ¡GRACIAS DJ MICHAEL!

Mehr Infos und Hörproben: http://www.nilsfischer.com/ - Die CD kaufen: -->hier


Vorhören und als MP3 downloaden:






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